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Die Lernenden in den Mittelpunkt stellen: Tagung am 22.1.2019 bringt Bildungscommunities und transformative Methoden zusammen

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Pressemitteilung vom 23.1.2019 wieder. Diese finden Sie im Orginial hier.

Wie sieht transformative Bildung für eine nachhaltige Entwicklung aus? Was lernen die Beteiligten in Prozessen, die den gesellschaftlichen Wandel voranbringen? Welche Methoden sind dafür besonders vielversprechend? Diese Fragen standen erstmals in dieser Konstellation am 22. Januar 2019 im Fokus der ausgebuchten Tagung „Reallabore, Citizen Science, Service Learning & Co. – Transformative Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung“. Rund 160 Teilnehmende aus den unterschiedlichen Communities aus Bildung und Forschung trafen sich in Berlin und diskutierten neue Bildungsformate.

Mit ihren nachhaltigen Entwicklungszielen – auch Sustainable Development Goals (SDGs) genannt – formuliert die Agenda 2030 internationale Entwicklungsziele, die weltweit bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Eine Schlüsselrolle zum Erreichen der Ziele kommt in diesen Prozessen der Bildung zu. Bisher ist „transformative Bildung“ jedoch ein theoretisch und methodisch noch nicht klar definiertes Konzept. Transformative Methoden werden bislang eher als Forschungsmethoden verstanden. Sie erfüllen dann Anforderungen der Nachhaltigkeitsbildung, wenn die Lernenden im Mittelpunkt stehen. Die Erprobungsräume für Nachhaltigkeitstransformation sind daher auch zugleich Lernorte und die dort initiierten Prozesse sind gleichermaßen Bildungs- und Kommunikationsprozesse. So gelinge es bei einem Projekt zum Service-Learning etwa, dass Schülerinnen und Schüler unter wissenschaftlicher Begleitung Bodenproben nehmen und mit den anschließenden Ergebnissen Landwirte in Sachen Düngung beraten können. Auf diese Weise steht in diesem Beispiel die Schülerin und der Schüler im Mittelpunkt, das Gelernte verfestigt sich durch die Beratung und in der Folge wird im Idealfall ein Wandel bei der Düngung erreicht.

Um solche Lern- und Bildungsangebote wirkungsvoller und anwendungsorientierter zu gestalten, kamen am 22. Januar 2019 erstmals die unterschiedlichen Bildungscommunities zusammen und diskutierten neue Formate. In Teams erörterten sie während der ausgebuchten Tagung „Reallabore, Citizen Science, Science Service & Co.“ neue Methoden. Dabei beschäftigten sie sich etwa mit gesellschaftlich engagiertem Lernen (Service Learning), Forschungsprojekten von und mit Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern (Citizen Science), Schulprojekten, die sich an echten Unternehmen orientieren (Schülerfirmen) sowie gesellschaftlichen Erprobungsräumen (Reallabor-Konzepte).

Reallabor-Tagung zu Nachhaltigkeitsbildung

Ausgerichtet wurde die Tagung „Reallabore, Citizen Science, Service Learning & Co.“ vom Wuppertal Institut, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), der Leuphana Universität und dem Institut Futur der Freien Universität Berlin. Die vier Partner gehören zu den einflussreichen Institutionen im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung.
In einem Einführungsvortrag betonte Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts, die Bedeutung von institutionellen und gesellschaftlichen Infrastrukturen für die Nachhaltigkeitstransformation: „Vordenkerinnen und Vordenker brauchen langfristig angelegte Räume und Möglichkeiten für gemeinsames Lernen und Ausprobieren.“
Die dafür erforderlichen Kompetenzen lassen sich erlernen: Neben Universitäten finden sich über den gesamten Bildungs-, Aus- und Weiterbildungsbereich hinweg Lernorte und -formate und damit Gelegenheiten sogenannte „Change Agents für Nachhaltigkeit“ auszubilden.

Für eine Verbindung von Zukunftsforschung und Bildung für nachhaltige Entwicklung plädierte Prof. Dr. Gerhard de Haan von der Freien Universität Berlin und unterstrich, dass gute Bildungskonzepte es ermöglichten, sich verschiedene Zukünfte vorzustellen, Vor- und Nachteile abzuwägen und Komplexität zu integrieren.
In der Podiumsdiskussion ging Prof. Dr. Matthias Barth von der Leuphana Universität Lüneburg auf die Notwendigkeit ein, transformative Methoden auch schon in der universitären Ausbildung von Lehrkräften theoretisch und praktisch zu vermitteln: „Wichtig ist es, Lernprozesse erst umfassend zu verstehen und dann praktisch zu gestalten. In dieser Reihenfolge werden transformative Potenziale von Bildung viel stärker gehoben.“

Zahlreiche praktische Projekte mit unterschiedlichen Zielgruppen und Methoden wie beispielweise Schülerfirmen zu nachhaltiger Kleidungsproduktion oder gemeinsamer Reflexion der Kultur des Reparierens wurden vorgestellt und diskutiert. Abschließend betonte Ulrike Peters, Leiterin des Referats Umweltinformationsvermittlung bei der DBU: „Bildung für nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeitstransformation sind seit vielen Jahren wichtige Themen der DBU. Auch mit den gerade aktualisierten Förderleitlinien unterstützen wir fachlich und finanziell explizit transformative Methoden, um nachhaltiges Handeln und Beteiligen zu stärken.“
Aus den präsentierten Projekten ergaben sich neue Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten für weitere Partnerschaften.

Idee der Tagung aus Projekt entstanden

Bereits 2017 fand eine gemeinsame Veranstaltung des Wuppertal Instituts mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zum Thema „Reallabore als transformative Methode in der Nachhaltigkeitsbildung“ statt. Dort wurde gezielt der Austausch zwischen Akteurinnen und Akteuren der Bildung für nachhaltige Entwicklung und Reallaboren vorangebracht. Innerhalb des von der DBU fachlich und finanziell geförderten Projekts „EEVA – Entwicklung, Erprobung und Verbreitung neuer Qualifizierungsangebote für ‚Change Agents‘ zu transformativem Lernen am Beispiel Reallabore“ ergab sich 2018 erneut die Möglichkeit, transformative Methoden in einem größeren Kontext zu diskutieren und weitere Communities einzuladen. Die dafür benötigten Kompetenzen lassen sich erlernen und trainieren. Beispielgebend für die verschiedenen Ansätze transformativer Bildung bauen Studierende der Freien Universität Berlin und der Leuphana Universität Lüneburg innerhalb des EEVA-Projekts für ihre Masterarbeiten kleine eigene transdisziplinäre sogenannte „Transformative Innovation Labs“ auf. Dafür eignen sich die Studierenden methodisches und praktisches Wissen an, damit sie sich mit den Werkzeugen der Wissenschaft aktiv an einer Gestaltung der Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung beteiligen können.

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für die Tagung am 22.1.2019

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